Nachdem Thomas weiter nach Süddeutschland zum Rennradfahren gefahren war, machte ich mich auf den Weg zum nächsten Abenteuer. Mit dem Zug fuhr ich zum Startpunkt des Rennsteigs, einem der bekanntesten und ältesten Fernwanderwege Deutschlands. Der Rennsteig verläuft über 170 Kilometer entlang des Kamms des Thüringer Waldes und verbindet die Flüsse Werra und Saale. Er hat eine lange Geschichte und diente einst als Handels- und Grenzweg. Heute ist er ein beliebtes Ziel für Wanderer und Naturfreunde aus aller Welt.
Nach einer Woche mit leichtem Gepäck und Hotelaufenthalt wollte ich nun das Wandern mit Zelt, Schlafsack und Selbstverpflegung testen. Mein Gepäck war mit 10 Kilogramm plus 3 Kilogramm Essen und 2 Litern Wasser recht beachtlich, und ich war unsicher, ob es den Spaß am Wandern verderben würde. Doch ganz im Gegenteil: Das Erlebnis war unvergleichlich.
Abgesehen von der ersten Gewitternacht übernachtete ich in Schutzhütten, von denen es am Rennsteig Dutzende gibt. Diese Hütten sind an drei Seiten geschlossen und bieten einen guten Schutz für die Nacht. Es war beruhigend zu wissen, dass diese sicheren Unterkünfte entlang des Weges vorhanden sind.
Für das Abendessen bereitete ich jeweils eine gefriergetrocknete Mahlzeit zu, die leicht im Gepäck war, aber dennoch sehr nahrhaft. Zum Frühstück gab es Porridge mit Nüssen und Bananen, ebenfalls leicht zu tragen und energiereich. Und natürlich durfte der Kaffee nicht fehlen, auch wenn es nur löslicher war – er war dennoch ein Genuss am Morgen.
Das Wandern auf dem Rennsteig mit all seiner natürlichen Schönheit und historischen Bedeutung war eine beeindruckende Erfahrung. Die Kombination aus körperlicher Herausforderung und der Freiheit, mein eigenes kleines Lager aufzuschlagen, verlieh der Tour eine besondere Magie. Diese Reise hat mir gezeigt, dass das Wandern mit Zelt und Selbstverpflegung eine wundervolle Art ist, die Natur intensiv zu erleben und gleichzeitig ein Gefühl von Abenteuer und Unabhängigkeit zu genießen.
Den Rennsteig bin ich für meine Verhältnisse ziemlich schnell gelaufen. Nach nur fünf Tagen war ich schon in Blankenstein angekommen. Meine Etappen lagen zwischen 32 und 43 Kilometern pro Tag, was eine ordentliche Herausforderung darstellte. Das Wandern auf dem Rennsteig ist recht einfach und der Weg ist meistens gut ausgeschildert, was die Orientierung erleichtert.
Allerdings geht es, wie der Name Thüringer Wald schon sagt, die ganze Zeit durch den Wald. Es gibt viel Mischwald, aber auch viele Flächen mit abgeholzten Fichten. Das Landschaftsbild ist dadurch geprägt von Waldgebieten, die sich stark von den offenen, dramatischen Felsformationen im Nationalpark Sächsische Schweiz unterscheiden.
Die Abwechslung ist auf dem Rennsteig relativ gering und es gibt nur wenige freie Sichtweiten. Doch trotz des Mangels an Panoramaausblicken bietet der Weg seine eigenen Schönheiten. Besonders das ständige Vogelgezwitscher war eine stimmungsvolle Begleitung, von der man eigentlich nie genug bekommen kann.